Was ist Erdgas?

Erdgas besteht aus ca. 85% Methan, 10% N2 und CO2, der Rest sind höhere Kohlenwasserstoffe.

Man findet Erdgas in zwei unterschiedlichen Formen vor: CNG= Compressed Natural Gas = komprimiertes Erdgas, das weitestgehend in dem Zustand, in dem es gefördert wird, Verbrennungsmotoren antreiben kann.


LNG= Liquified Natural Gas = Flüssiges Erdgas (kryogen bei - 162°C). Dadurch, dass Erdgas bei einer Temperatur von -162°C flüssig wird, reduziert sich sein Volumen auf 1/600 des Ausgangsvolumens.


Nicht zu verwechseln mit Autogas! Unter Autogas versteht man im klassischen Sinne: LPG= Liquified Petroleum Gas = Flüssiggas (= Propan/ Butan-Gemische).


Wie ist der Einsatz von Erdgas als Kraftstoff weltweit und in der Bundesrepublik?

Weltweit gibt es bereits rund eine Million erdgasbetriebener Kraftfahrzeuge und über 3.000 Tankstellen. Führend im Bereich der Erdgasfahrzeuge sind Argentinien, Italien und Russland.

Auf Deutschlands Straßen fahren gegenwärtig rund 7.000 Erdgasfahrzeuge, Tendenz steigend. Eingesetzt werden sie z.B. bei Post- und Paketdiensten, Fahrbeiratschaften, Serviceunternehmen im Handwerksbereich, Zubringerdiensten in Handel und Gewerbe, Industrieunternehmen mit Werksfahrzeugen, Taxi-Unternehmen sowie städtischen und kommunalen Fahrzeugflotten.

Auch im privaten Bereich nimmt der Einsatz stark zu, denn Erdgasfahrzeuge sind wirtschaftlich und umweltfreundlich.

Wie sind die Umweltbelastungen bei Erdgasfahrzeugen?

Bereits heute gehen mehr als 50 % der Umweltbelastungen auf das Konto des Verkehrsaufkommens. Ballungsräume und innerstädtische Gebiete sind besonders stark betroffen. Sommersmog und Treibhauseffekt sind Folgeerscheinungen, die unseren Lebensraum bedrohen.

Durch den Einsatz von Erdgasautos können die Stickstoff-, Kohlendioxid-, Kohlenmonoxid, Kohlenwasserstoff- und Rußwerte deutlich gesenkt werden. Die Schadstoffreduzierung kann im Vergleich mit Dieselfahrzeugen bis zu 99 % betragen.

Was sagt die Politik?

Die Umweltministerkonferenz des Bundes und der Länder hat sich im Mai 1998 für ein klares „Ja“ zum Erdgasauto ausgesprochen. Laut den Beschlüssen zählt das Erdgasfahrzeug zu den emissionsärmsten Verkehrsmitteln, dessen Einsatz vor allem im innerstädtischen Verkehr zu einer Steigerung der Lebensqualität führt.

Wie ist die Situation auf dem Markt für Erdgastankstellen?

Die Erdgaswirtschaft ist sehr an dem Aufbau von Erdgastankstellen interessiert. Insbesondere aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten ist Erdgaskraftstoff als zusätzliche Einnahmequelle für Versorgungsunternehmen lohnend. Der Jahresverbrauch eines Erdgas-Fahrzeugs ist vergleichbar mit dem Jahresverbrauchs eines kleinen Einfamilienhauses.

Zum Aufbau eines flächendeckenden Netzes von Erdgas-Tankstellen haben im Jahre 2002 Gasversorgungsunternehmen, Mineralölunternehmen, Stadtwerke und freie Tankstellen die Gesellschaft „erdgas mobil“ gegründet.

Gegenwärtig werden bundesweit ca. 350 Tankstellen betrieben. Die Gesellschaft strebt den Neubau von 1000 Erdgastankstellen in den nächsten fünf Jahren an. Das geplante Investitionsvolumen beträgt ca. 250 Mio. €. Die Tankstellenabstände sollen zukünftig in städtischen Gebieten 5 km, in Mischgebieten 10-15 km und in ländlichen Gebieten 20-25 km betragen.

„erdgas mobil“ strebt eine Standardisierung der Anlagentechnik und ein einheitliches Vertragswerk für Betreiber und Lieferanten von Erdgastankstellen und bietet Dienstleistungen wie Wartungsverträge und Vermarktungsaktivitäten an.

Wieviele Erdgastankstellen gib es in Hamburg und in der näheren Umgebung?

Gegenwärtig (Stand Januar 2003) sind in Hamburg 6 Tankstellen in Betrieb und zusätzlich befinden sich zwei Tankstellen im Bau. Im nördlichen Umland von Hamburg ist lediglich eine Erdgastankstelle in Betrieb (Tornesch), zwei befinden sich im Bau (Quickborn und Bad Bramstedt) und drei Tankstellen sind geplant (Elmshorn, Norderstedt und Itzehoe).

Wie hoch sind die Preise für Erdgas als Kraftstoff?

Erdgas als Kraftstoff wird mit dem Gesetz zur Fortentwicklung der ökologischen Steuerreform noch bis 2020 durch einen reduzierten Mineralölsteuersatz begünstigt, so dass sichergestellt ist dass sich Erdgasfahrzeugebetreiber auch in Zukunft über einen niedrigen Erdgas- Zapfsäulenpreis freuen können.

Erdgas-Kraftstoff wird an Tankstellen auf kg-Basis verkauft. Ein kg Erdgas (Erdgas der Gruppe H) entspricht ungefähr 1,5 l Benzin. Ein kg Erdgas kostet als Kraftstoff derzeit etwa 50 bis 65 Cent. Dies entspricht einem Äquivalenzpreis zu Benzin von etwa 40-50 Cent bei gleichem Verbrauch. Damit ist Erdgas mindestens 30 % günstiger als Diesel und mindestens 50 % günstiger als Benzin.

Ist der Tankvorgang der gleiche wie bei einer Diesel- oder Benzinbetankung?

Der Tankvorgang dauert genauso lange wie bei einer Diesel- oder Benzinbetankung (ca.3-5 min.) und ist diesem sehr ähnlich. Anstelle einer herkömmlichen Zapfpistole ist die Erdgaszapfsäule mit einer Füllkupplung ausgestattet. Diese Kupplung wird leicht auf den Tanknippel des Gastanks am Fahrzeug gesetzt und durch eine einfache 180°- Drehung des Griffs sicher verbunden.

Was sind die Kosten bei Erdgasfahrzeugen?

Mehr und mehr Hersteller bieten Erdgasfahrzeuge in den Kategorien PKW, Kombi, Transporter, LKW, Busse und Müllfahrzeuge an. Hierzu gehören namhafte Firmen wie Fiat, Ford, Opel, Volvo, VW, Iveco, Mercedes Benz, EvoBus, MAN und Neoplan.

Die Mehrkosten für Neufahrzeuge betragen bei PKW ca. zwischen 1.500,- € und 3.500,- €. Beim Fiat Multipla betragen die Mehrkosten sogar nur rund 350,- €.

Viele ältere Fahrzeuge lassen sich auf Erdgastechnik umrüsten. Die Umrüstkosten für einen PKW bei 2.500,- bis 3.500,- €, für einen Kleintransporter bei 3.500,- bis 5.000,- €.

Jedenfalls amortisieren sich die Mehrkosten für Neufahrzeuge bzw. die Umrüstkosten für ältere Fahrzeuge durch die geringeren Verbrauchskosten in wenigen Jahren. Dies belegen Modellrechnungen des Bundesumweltministeriums.

Wie ist es mit der Fahrzeugtechnik?

Immer mehr Hersteller rüsten die Fahrzeuge direkt am Band oder vor der Auslieferung an den Kunden auf Erdgasantrieb um.

Erdgasfahrzeuge sind entweder „monovalent“ oder „bivalent“. Monovalente Fahrzeuge fahren ausschließlich mit Erdgas, bivalente Fahrzeuge fahren nach Wahl mit Erdgas oder Benzin. Der Fahrer kann zwischen beiden Antriebsarten – sogar während der Fahrt- frei schalten.

Darüber hinaus sind viele serienmäßigen Erdgasfahrzeug-Modelle mit platzsparender Unterflurtanktechnik ausgestattet. Die Unterfluranordnung der Gastanks spart Platz und ist sicher. Obwohl unter 200 bar Druck stehend, ist der Tank die stabilste Komponente im Auto. Der TÜV schreibt hier einen Berstdruck von 600 bar vor. Das übersteigt im allgemeinen auftretende Crash- und Hitzebelastungen bei weitem. Sicherheitsventile sorgen zudem im extremen Schadensfall für ein gezieltes Abblasen oder bei Hitzeentwicklung für Abbrennen des Erdgases und verhindern damit mögliche Explosionen.

Erdgasautos gehören zu den emissionsärmsten und damit umweltfreundlichsten Verkehrsmitteln. Die Abgaswerte sind die niedrigsten, die Ingenieure zur Zeit in Verbrennungsmotoren realisieren können. Außerdem ist ein gasbetriebener Motor nur halb so laut wie ein herkömmlicher Benzin- oder Dieselmotor.

Welche Reichweiten lassen sich mit einem Erdgasfahrzeug erzielen?

Das Volumen üblicher 80 l-Gastanks fasst etwa die Energiemenge von 20l Benzin- damit kommt man rund 200- 300 km weit. Allerdings sind derzeit bereits Fahrzeuge auf dem Markt, wie z.B. der Fiat Multipla (Bipower), der durch die Unterfluranordnung der Tanks im bivalenten Betrieb bereits 450 km Reichweite besitzt. Der Trend zu reinen monovalenten Erdgasautos (bei denen die Lage des Tanks schon beim Packaging berücksichtigt wurde) wird die Reichweite von Erdgasautos weiter in die Nähe konventioneller Benzinautos rücken. So liegt z.B. beim neuen Fiat Multipla Bipower die Reichweite bei ca. 620 km.

Gibt es Schwierigkeiten bei einem späteren Verkauf von eines gebrauchten Erdgasfahrzeuges?

Erdgasbetriebene Fahrzeuge lassen sich nicht besser und nicht schlechter verkaufen als konventionelle Fahrzeuge. Mit steigenden Benzinpreisen steigt auch die Nachfrage nach den wirtschaftlich günstigeren Erdgas-Fahrzeugen. Erleichtert wird der Verkauf über nationale Verkaufsbörsen im Internet (z.B. „www.erdgasfahrzeuge.de“.

Gibt es Fördermöglichkeiten oder Kredite für Erdgasautos?

Um die Anschaffung eines Erdgasfahrzeugs noch attraktiver zu machen, gibt es bundesweite und lokale Förderprogramme. Beispielsweise fördert die Deutsche Ausgleichsbank die Käufer von Erdgasfahrzeugen mit zinsgünstigen Darlehen aus dem ERP-Programm (gewerbliche Unternehmen) und dem DtA-Umweltprogramm (gewerbliche und kommunale Unternehmen).

Darüber hinaus kann man auch bei Haftpflicht- und Kaskoversicherungen mit einem Erdgasfahrzeug sparen. Die Gerling Versicherungsgruppe bietet für Erdgasfahrzeuge einen um bis zu 15 Prozent günstigeren Öko-Tarif an.